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Der Trend zum Automatikgetriebe

Robert Madas | 08 Apr 2021

Über den Autor

Robert Madas

Regional Head of Valuations Austria, Poland, Switzerland

Robert Madas arbeitet seit 2019 bei Eurotax und ist für den Bereich Valuations in Österreich, Schweiz und Polen verantwortlich. Er verfügt über umfangreiche Erfahrung im Bereich der Datenanalyse und Interpretation. Vor Eurotax war er über 10 Jahre lang beim Marktforschungsunternehmen GfK Austria als Key Account Manager tätig. Sein Studium absolvierte er an der Wirtschaftsuniversität Wien mit Schwerpunkt Marketing.

Zu faul zum Schalten? Was hinter dem Trend zum Automatikgetriebe steckt

Ein Blick auf die Entwicklung der Neuzulassungen seit 2013 zeigt ein klares Bild: PKW mit Automatikgetriebe werden immer beliebter. Im vergangenen Jahr waren bereits 83% aller neu zugelassenen PKW mit Automatik ausgestattet, nachdem sieben Jahre zuvor das Schaltgetriebe mit rund 51% Anteil noch knapp an erster Stelle in der Gunst der Autofahrer war. Doch was steckt dahinter? Werden wir immer fauler und ist die Handschaltung ein Auslaufmodell? Und wie verhält es sich mit der Wertbeständigkeit?

Nicht nur in der Schweiz, in ganz Europa hatte die Automatik bis weit in die 90er Jahre mit einer Reihe von Vorurteilen zu kämpfen: zu träge, zu teuer, zu hoher Verbrauch, zu unsportlich. Spätestens zur Jahrtausendwende waren diese Vorurteile jedoch dank moderner Technik wie DSG-Schaltung und elektronisch regulierten Gangwechseln widerlegt. Nicht zuletzt Sportwagen haben bewiesen, dass die automatischen Modelle im Vergleich zur Handschaltung nicht nur schneller beschleunigen, sondern auch sparsamer sind. Dennoch hat es in der Schweiz noch mehr als weitere zehn Jahre gedauert, bis sich die Automatik mehrheitlich durchgesetzt hat. Erst seit 2014 sind PKW-Neuzulassungen mit Schaltgetriebe in der Minderheit und nehmen stetig ab (siehe Abb. 1).

(Abb. 1: Entwicklung der Anteile von Automatik und Schaltgetriebe bei PKW-Neuzulassungen)

Parallel zu dieser Entwicklung ist auch ein anderer Trend offensichtlich: Der Boom bei SUVs, der vor allem zu Lasten der Mittelklasse ging. SUVs waren ¯ ebenso wie Fahrzeige der Oberklasse ¯ von jeher überwiegend mit Automatikgetriebe ausgestattet, bereits 2013 wurde in diesem Segment nur in rund 38% der Fahrzeuge von Hand geschalten, mittlerweile sind es gerade einmal noch rund 8% (siehe Abb. 2).

(Abb. 2: Entwicklung der Anteile von Automatik und Schaltgetriebe bei PKW-Neuzulassungen im Segment SUVs)

Bemerkenswert ist der Trend zur Automatik aber gerade bei den beiden kleinen Segmenten Kleinwagen und untere Mittelklasse, machen diese doch immerhin rund 28% aller Neuzulassungen aus. Ein Automatikgetriebe war bei Kleinwagen 2013 noch eher selten mit 24% Anteil, im vergangenen Jahr wurden jedoch bereits 59% aller Kleinwagen mit Automatik ausgeliefert (siehe Abb. 3). Fast genauso schnell vollzieht sich dieser Trend in der unteren Mittelklasse: Mittlerweile haben nicht einmal mehr ein Fünftel der neu zugelassenen Fahrzeuge die klassische Handschaltung, 2013 waren es immerhin noch fast 60%.

(Abb. 3: Entwicklung der Anteile von Automatik und Schaltgetriebe bei PKW-Neuzulassungen im Segment Kleinwagen)

Und noch eine weitere Entwicklung begünstigt das Ende der Handschaltung: Hybrid- und Elektro-Fahrzeuge schalten ohnehin automatisch bzw. arbeiten mit Direktantrieb. >, so Robert Madas, Head of Valuations bei Eurotax Schweiz.

Restwerte im Vergleich

Die manuelle Schaltung verschwindet also sukzessive, auch bei kleineren PKW, doch wie verhält es sich derzeit mit der Wertbeständigkeit dieser beiden Getriebearten im Vergleich?

Kleinwagen mit Automatik erzielen im Schnitt praktisch gleich hohe Restwerte wie junge Kleinwagen mit Schaltgetriebe, die Unterschiede bewegen sich je nach Fahrzeugalter nur zwischen 0,1% und 0,8% – liegen also fast gleichauf (siehe Abb. 4). Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in der unteren Mittelklasse. Zu beachten ist dabei, dass sich auf Modell-Ebene oder im Vergleich einzelner Typen unterschiedliche Ergebnisse zeigen können. Die Bestimmung des individuellen Restwertes eines Fahrzeuges (ob Automatik oder Schalter) sollte deshalb jedenfalls auf Modellebene bzw. Natcodeebene erfolgen.

(Abb. 4: Durchschnittliche PKW-Restwerte im Verkauf; Automatik vs. Schaltgetriebe ¯ Kleinwagen)

Restwert-Unterschiede finden sich in einem eher exotischen Segment: Bei Cabriolets/Roadstern erzielen manuelle Schaltgetriebe im Schnitt etwas höhere Restwerte, mit einem Abstand von 2%- bis 3%-Punkten gegenüber dem Automatikgetriebe (siehe Abb. 5). Dieses Segment ist es auch, das den Trend zur Automatik bisher nur bedingt mitmacht: Mit immerhin einem Viertel bis einem Drittel aller Neuzulassungen war der Anteil des Schaltgetriebes bei diesen Fahrzeugen in den vergangenen 5 Jahren relativ stabil.

(Abb. 5: Durchschnittliche PKW-Restwerte im Verkauf; Automatik vs. Schaltgetriebe ¯ Cabriolets/Roadster)

Im Schnitt kosten die Automatik-Varianten beim Neukauf um rund 1.500 bis 3.000 Franken mehr als die entsprechenden mit Schaltgetriebe ausgestatten Modelle. Ob dieser Aufpreis für das Automatikgetriebe lohnt, muss jeder Autokäufer nach eigenen Präferenzen selbst entscheiden ¯ sofern das bevorzugte Modell überhaupt noch in beiden Varianten angeboten wird.

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