Kategorie: Market Insights

Insights April 2021

Wie verhalten sich Diesel, Benzin und alternative Antriebe (EVs, Hybrid, Gas, etc.) derzeit am Markt? Hier finden Sie einen Überblick über die Treibstoffarten, auch im Vergleich zum Vormonat und Vorjahr.

Gegenübergestellt sind als Restwert die durchschnittlichen Notierungen (prozentualer Restwertanteil vom Listenpreis) 3 Jahre alter Fahrzeuge mit Standardkilometer (50‘000km) sowie die Angebotstage (Inseratedauer), Angebotspreise (letzter verzeichneter Angebotspreis) und Laufleistung 2-4 Jahre alter, verkaufter Fahrzeuge am Gebrauchtwagenmarkt. Die Anzahl der Angebote am Markt geben einen Einblick, wie viele 2-4 Jahre alte Fahrzeuge derzeit am GW Markt angeboten werden.

Welche Modellreihen der 2 bis 4 jährigen Occasionen innerhalb des letzten Monats am schnellsten verkauft wurden (mindestens 15 Verkäufe), zeigen die Schnelldreher.

 

Archiv

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März 2021

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Januar 2021

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März 2020

Februar 2020

Januar 2020

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Der Trend zum Automatikgetriebe

Zu faul zum Schalten? Was hinter dem Trend zum Automatikgetriebe steckt

Ein Blick auf die Entwicklung der Neuzulassungen seit 2013 zeigt ein klares Bild: PKW mit Automatikgetriebe werden immer beliebter. Im vergangenen Jahr waren bereits 83% aller neu zugelassenen PKW mit Automatik ausgestattet, nachdem sieben Jahre zuvor das Schaltgetriebe mit rund 51% Anteil noch knapp an erster Stelle in der Gunst der Autofahrer war. Doch was steckt dahinter? Werden wir immer fauler und ist die Handschaltung ein Auslaufmodell? Und wie verhält es sich mit der Wertbeständigkeit?

Nicht nur in der Schweiz, in ganz Europa hatte die Automatik bis weit in die 90er Jahre mit einer Reihe von Vorurteilen zu kämpfen: zu träge, zu teuer, zu hoher Verbrauch, zu unsportlich. Spätestens zur Jahrtausendwende waren diese Vorurteile jedoch dank moderner Technik wie DSG-Schaltung und elektronisch regulierten Gangwechseln widerlegt. Nicht zuletzt Sportwagen haben bewiesen, dass die automatischen Modelle im Vergleich zur Handschaltung nicht nur schneller beschleunigen, sondern auch sparsamer sind. Dennoch hat es in der Schweiz noch mehr als weitere zehn Jahre gedauert, bis sich die Automatik mehrheitlich durchgesetzt hat. Erst seit 2014 sind PKW-Neuzulassungen mit Schaltgetriebe in der Minderheit und nehmen stetig ab (siehe Abb. 1).

(Abb. 1: Entwicklung der Anteile von Automatik und Schaltgetriebe bei PKW-Neuzulassungen)

Parallel zu dieser Entwicklung ist auch ein anderer Trend offensichtlich: Der Boom bei SUVs, der vor allem zu Lasten der Mittelklasse ging. SUVs waren – ebenso wie Fahrzeige der Oberklasse – von jeher überwiegend mit Automatikgetriebe ausgestattet, bereits 2013 wurde in diesem Segment nur in rund 38% der Fahrzeuge von Hand geschalten, mittlerweile sind es gerade einmal noch rund 8% (siehe Abb. 2).

(Abb. 2: Entwicklung der Anteile von Automatik und Schaltgetriebe bei PKW-Neuzulassungen im Segment SUVs)

Bemerkenswert ist der Trend zur Automatik aber gerade bei den beiden kleinen Segmenten Kleinwagen und untere Mittelklasse, machen diese doch immerhin rund 28% aller Neuzulassungen aus. Ein Automatikgetriebe war bei Kleinwagen 2013 noch eher selten mit 24% Anteil, im vergangenen Jahr wurden jedoch bereits 59% aller Kleinwagen mit Automatik ausgeliefert (siehe Abb. 3). Fast genauso schnell vollzieht sich dieser Trend in der unteren Mittelklasse: Mittlerweile haben nicht einmal mehr ein Fünftel der neu zugelassenen Fahrzeuge die klassische Handschaltung, 2013 waren es immerhin noch fast 60%.

(Abb. 3: Entwicklung der Anteile von Automatik und Schaltgetriebe bei PKW-Neuzulassungen im Segment Kleinwagen)

Und noch eine weitere Entwicklung begünstigt das Ende der Handschaltung: Hybrid- und Elektro-Fahrzeuge schalten ohnehin automatisch bzw. arbeiten mit Direktantrieb. «Mit der wachsenden Beliebtheit dieser Antriebsart, insbesondere auch bei den kleineren Segmenten, wird der Trend zur Automatik zusätzlich beschleunigt», so Robert Madas, Head of Valuations bei Eurotax Schweiz.

Restwerte im Vergleich

Die manuelle Schaltung verschwindet also sukzessive, auch bei kleineren PKW, doch wie verhält es sich derzeit mit der Wertbeständigkeit dieser beiden Getriebearten im Vergleich?

Kleinwagen mit Automatik erzielen im Schnitt praktisch gleich hohe Restwerte wie junge Kleinwagen mit Schaltgetriebe, die Unterschiede bewegen sich je nach Fahrzeugalter nur zwischen 0,1% und 0,8% – liegen also fast gleichauf (siehe Abb. 4). Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in der unteren Mittelklasse. Zu beachten ist dabei, dass sich auf Modell-Ebene oder im Vergleich einzelner Typen unterschiedliche Ergebnisse zeigen können. Die Bestimmung des individuellen Restwertes eines Fahrzeuges (ob Automatik oder Schalter) sollte deshalb jedenfalls auf Modellebene bzw. Natcodeebene erfolgen.

(Abb. 4: Durchschnittliche PKW-Restwerte im Verkauf; Automatik vs. Schaltgetriebe – Kleinwagen)

Restwert-Unterschiede finden sich in einem eher exotischen Segment: Bei Cabriolets/Roadstern erzielen manuelle Schaltgetriebe im Schnitt etwas höhere Restwerte, mit einem Abstand von 2%- bis 3%-Punkten gegenüber dem Automatikgetriebe (siehe Abb. 5). Dieses Segment ist es auch, das den Trend zur Automatik bisher nur bedingt mitmacht: Mit immerhin einem Viertel bis einem Drittel aller Neuzulassungen war der Anteil des Schaltgetriebes bei diesen Fahrzeugen in den vergangenen 5 Jahren relativ stabil.

(Abb. 5: Durchschnittliche PKW-Restwerte im Verkauf; Automatik vs. Schaltgetriebe – Cabriolets/Roadster)

Im Schnitt kosten die Automatik-Varianten beim Neukauf um rund 1.500 bis 3.000 Franken mehr als die entsprechenden mit Schaltgetriebe ausgestatten Modelle. Ob dieser Aufpreis für das Automatikgetriebe lohnt, muss jeder Autokäufer nach eigenen Präferenzen selbst entscheiden – sofern das bevorzugte Modell überhaupt noch in beiden Varianten angeboten wird.

Marktausblick 2021

PKW Neuzulassungen

Das Corona-geprägte Autojahr 2020 ist Geschichte und bringt neben einem Einbruch bei den PKW-Neuzulassungen auch einen Rekord bei alternativen Antrieben. Mit 236.828 PKW-Neuzulassungen in der Schweiz und Liechtenstein ist der Markt im vergangenen Jahr krisenbedingt um 24% eingebrochen. Einen Höhenflug erlebten hingegen alternative Antriebe: Ganze 66’687 Personenwagen mit Alternativ-Antrieb wurden immatrikuliert – das waren fast 64% mehr als 2019 und entspricht einem Marktanteil von 28,2%. Vor allem Plug-in-Hybride konnten stark zulegen von 4‘261 im Jahr davor auf 14’429 Zulassungen und damit 6,1% Marktanteil. Rein elektrisch betriebene PKW nehmen mit 19’504 Stück bereits 8,2% Marktanteil ein, Spitzenreiter unter den alternativen Antrieben sind unverändert Hybrid-Modelle ohne Lademöglichkeit mit 32’148 Stück bzw. 13,6% Marktanteil.

«2021 rechnen wir mit einer Erholung auf dem Neuwagenmarkt, allerdings wird das Ergebnis aus heutiger Sicht deutlich unter den Jahren vor der Corona-Krise liegen. Realistisch sind 265‘000 bis 275‘000 PKW-Neuzulassungen», so Robert Madas, Head of Valuations bei Eurotax Schweiz. «Das Ergebnis wird aber stark abhängig vom Erfolg bei der Bekämpfung der Pandemie sowie der weiteren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung sein. »

Elektro- und Hybridfahrzeuge werden dieses Jahr wieder eine wichtige Rolle spielen, da sie seitens der Hersteller weiterhin gepusht werden, um die CO2-Vorgaben nach Möglichkeit zu erreichen. Ob das Wachstum weiterhin im oberen zweistelligen Prozent-Bereich bleiben wird, ist jedoch stark von der Verfügbarkeit attraktiver Modelle abhängig.

 

PKW Halterwechsel

Der Occasionsmarkt hat sich in der Krise mit 830‘634 Halterwechseln bzw. einem kleinen Minus von 2,1% deutlich stabiler gezeigt als der Neuwagenmarkt. Nach starken Einbrüchen während des Lockdowns im März und April waren von Juni bis September Nachholeffekte zu beobachten. «Für 2021 rechnen wir mit einer weiteren Stabilisierung: 850‘000 bis 860‘000 PKW Halterwechsel sind realistisch – und damit ein Niveau wie vor der Corona-Krise», schätzt Robert Madas.

Bisher ist auf dem Occasionsmarkt nach einem kurzfristigen Einbruch durch den ersten Lockdown eine Erholung der Angebotspreise zu beobachten. Im Vergleich zum Preis-Niveau von Anfang Februar liegt der Preisindex Mitte Januar im Schnitt bereits 1% über dem Niveau vor Beginn der Corona-Krise (siehe Grafik). «Eine stabile Nachfrage trifft derzeit auf ein relativ geringes Angebot: vor allem junge Occasionen bis 12 Monate fehlen auf dem Markt – das Angebot ist in dieser Altersgruppe um über 20% geringer als im letzten März», so Robert Madas.

 

 

Aus Restwert-Sicht sind in Folge unterschiedliche Effekte zu erwarten: bei jungen Occasionen dürften die Restwerte stabil bleiben bzw. steigen, unter anderem aufgrund der geringeren Anzahl an Tageszulassungen aus 2020. 4-jährige Fahrzeuge kommen hingegen heuer nach dem starken Neuwagen-Jahr 2017 in grösserer Anzahl auf den Markt. Ob das die Werte unter Druck bringen wird, wird nicht alleine vom Volumen abhängen, sondern vor allem von der Nachfrage-Situation. Sollte die Nachfrage wirtschaftsbedingt nachlassen wären nicht nur die Restwerte der 4-jährigen betroffen. Angesichts der unsicheren weiteren Entwicklung der Pandemie und der einhergehenden Massnahmen lässt sich das aktuell allerdings nicht genau prognostizieren.

 

RW-Szenarien für Occasionen auf dem Weg aus der Corona-Krise: November Update

Der folgende Artikel bietet eine weitere Aktualisierung auf Basis der aktuellen Entwicklungen, wie sich die Corona-Pandemie auf den Automarkt bzw. die Gebrauchtwagen-Restwerte bereits ausgewirkt hat und in den kommenden Monaten weiter auswirken könnte.

« Auf dem Occasionsmarkt konnten wir in den vergangenen zwei Monaten eine stabile Nachfrage bei einem leicht verminderten Angebot beobachten. Das hat zu einer weiteren Erholung der Angebotspreise geführt, insbesondere bei etwas älteren Occasionen », fasst Robert Madas, Valuation Insights Manager von Eurotax Schweiz, zusammen. « Mitte November liegt der Preisindex im Schnitt rund 0,6% über dem Niveau vor Beginn der Corona-Krise. Jüngere Occasionen im Alter von 7 bis 17 Monaten sowie die mittlere Altersgruppe von 1,5 bis 4,5 Jahren liegen jedoch noch unter dem Wert vor der Krise », so Robert Madas weiter.

Die Angebotsmenge bis zu 8 Jahre alter Occasionen ist im Vergleich zu Anfang März um rund 15% geringer. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Angebotsdauer zurückgegangen: im Schnitt wird derzeit ein Fahrzeug 88 Tage lang angeboten, nach 100 Tagen Anfang März (siehe Abb. 2). « Diese Zahlen zeigen, dass die Nachfrage aktuell auf ein begrenztes Angebot trifft. Vor allem junge Gebrauchte bis 12 Monate fehlen auf dem Markt – das Angebot ist in dieser Altersgruppe um rund ein Viertel geringer als noch Anfang März », so Robert Madas.

 

Abb. 1: Der Preis-Index zeigt die durchschnittliche Preis-Bewegung ausgehend von Anfang Februar 2020. Der Wert ist bereinigt um die Fahrzeug-Alterung und um unterschiedliche Zusammensetzung des Angebots, d.h. der Preisindex zeigt die tatsächlichen Preis- Veränderungen gleicher Fahrzeuge aufgrund der direkten Veränderung der Nachfrage (stabiler Warenkorb).

 

Abb. 2: Die linke Grafik zeigt die indexierte Veränderung aktiver Angebote von Gebrauchtwagen im Alter bis 96 Monate seit Anfang März 2020. Die rechte Grafik zeigt die Entwicklung der durchschnittlichen Angebotstage von Gebrauchtwagen im Alter bis 96 Monate.

 

Weitere Entwicklung der Occasions-Preise

Um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Automobilindustrie einzuschätzen, hat Eurotax fünf mögliche Szenarien zur wirtschaftlichen Erholung im Hinblick auf deren Wahrscheinlichkeit untersucht und aktualisiert:

 

Tabelle 1: Die Szenarien basieren auf folgenden fünf Parametern: Dauer der Pandemie; Wirtschaftliche Aussichten für 2020-2022; Probleme bei der Neuwagenproduktion; Entwicklung der privaten Nachfrage; Wirksamkeit der fiskal- und geldpolitischen Massnahmen.

 

Auf Basis der aktuellen Marktsituation ist aus unserer Sicht nach wie vor die Wahrscheinlichkeit für eine ‘langsame, U-förmige Erholung’, mit 60% am höchsten. Eine konkrete Restwert-Prognose ist angesichts der zweiten Pandemie-Welle allerdings schwierig.

« Angesichts der Unsicherheiten was die künftige Kaufkraft angeht, erwarten wir eine Verschiebung der negativen Effekte auf die Restwerte ins Jahr 2021. So ist für 36 Monate alte Occasionen mit 60.000km Ende 2021 von einem Minus von ca. 2% gegenüber März 2020 auszugehen », so Robert Madas weiter, « mittelfristig erwarten wir dann eine langsame Erholung der Restwerte mit rund minus 1% Ende 2022. »

Sowohl die Szenarien als auch die Einschätzung der Restwert-Entwicklung werden auf Basis der aktuellen Marktbeobachtung in den kommenden Wochen und Monaten regelmässig aktualisiert.

 

Hinweis

Eine Einschätzung für 18 Märkte Europas findet sich im regelmässig aktualisierten Autovista Group Whitepaper.

 

RW-Szenarien für Occasionen auf dem Weg aus der Corona-Krise: September Update

Im Sommer haben wir das erste Update veröffentlicht, wie sich die Corona-Pandemie auf den Automarkt bzw. die Restwerte für Occasionen bereits ausgewirkt hat und in den kommenden Monaten weiter auswirken könnte. Der folgende Artikel bietet eine weitere Aktualisierung auf Basis der aktuellen Entwicklungen.

«Unsere Einschätzung hinsichtlich der weiteren Restwert-Entwicklungen ist derzeit optimistischer als noch im Sommer», fasst Robert Madas, Valuation Insights Manager von Eurotax Schweiz, zusammen. Auf dem Gebrauchtwagen-Markt hat sich die Erholung der Angebotspreise seit Mitte Mai weiter fortgesetzt. «Im Vergleich zum Preis-Niveau von Anfang Februar liegt der Preisindex Mitte September im Schnitt bereits auf dem Niveau vor Beginn der Corona-Krise», so Robert Madas weiter.

Die Nachfrage auf dem Neuwagen-Markt ist zwar im Vergleich zum Vorjahr (Januar – August) um rund 30% eingebrochen, auf dem Markt für Occasionen gab es nach Ende der Lockdown-Massnahmen jedoch starke Nachfrage: In den Monaten Juni, Juli und August wurden jeweils deutlich mehr Halterwechsel registriert als im Vorjahreszeitraum, das gesamte Volumen von Januar bis August war nur um 3,5% kleiner als im Vorjahr.

«Insbesondere ältere Gebrauchte ab 4,5 Jahren haben seit Mitte August beim Preis zugelegt und werden derzeit im Schnitt über dem Niveau vor Beginn der Corona-Krise angeboten. Demgegenüber liegen Fahrzeuge zwischen 6 und 18 Monaten mit minus 2,5% aktuell deutlich unter dem Niveau von Anfang Februar», so Robert Madas.

 

Abb. 1: Der Preis-Index zeigt die durchschnittliche Preis-Bewegung ausgehend von Anfang Februar. Der Wert ist bereinigt um die Fahrzeug-Alterung und um unterschiedliche Zusammensetzung des Angebots, d.h. der Preisindex zeigt die tatsächlichen Preis- Veränderungen gleicher Fahrzeuge aufgrund der direkten Veränderung der Nachfrage (stabiler Warenkorb).

 

Abb. 2: Der Preis-Index nach Fz.-Alter zeigt die durchschnittliche Preis-Bewegung der einzelnen Fz.-Altersgruppen ausgehend von Anfang Februar. Der Wert ist bereinigt um die Fahrzeug-Alterung und um unterschiedliche Zusammensetzung des Angebots, d.h. der Preisindex zeigt die tatsächlichen Preis- Veränderungen gleicher Fahrzeuge aufgrund der direkten Veränderung der Nachfrage (stabiler Warenkorb).

 

Update der Szenarien für den Weg aus der Krise

Um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Automobilindustrie einzuschätzen, hat Eurotax fünf mögliche Szenarien zur wirtschaftlichen Erholung im Hinblick auf deren Wahrscheinlichkeit untersucht und aktualisiert:

 

Tabelle 1: Die Szenarien basieren auf folgenden fünf Parametern: Dauer der Pandemie; Wirtschaftliche Aussichten für 2020-2022; Probleme bei der Neuwagenproduktion; Entwicklung der privaten Nachfrage; Wirksamkeit der fiskal- und geldpolitischen Massnahmen.

 

«Auf Basis der aktuellen Marktsituation ist aus unserer Sicht nach wie vor die Wahrscheinlichkeit für eine ‘langsame, U-förmige Erholung’, mit 60% am höchsten», so Robert Madas. «Eine mittelmässig schnelle V-förmige Erholung ist im Vergleich zur vorigen Einschätzung jedoch deutlich grösser geworden und wird von uns mit einer Wahrscheinlichkeit von 30% beziffert. »

In Bezug auf die Restwert-Entwicklung wird die weitere Entwicklung der Nachfrage entscheidend sein. Die künftige Kaufkraft sowie die wirtschaftliche Entwicklung im Allgemeinen sind nach wie vor unsicher. «Trotz der aktuellen Erholung des Preisniveaus erwarten wir in diesem Jahr bis Dezember noch einen Wertverlust in einem Ausmass von rund minus 2% gegenüber Anfang März», so Robert Madas weiter, «mittelfristig ist dann von einer langsamen Erholung der Restwerte auszugehen.» Die folgende Grafik zeigt den erwarteten Verlauf der Restwert-Entwicklung.

 

Abb. 3: Erwartete Entwicklung der Gebrauchtwagen-Restwerte im Vergleich zu Anfang März 2020 (indexiert): bis Dezember 2020 (-1,9%), bis Dezember 2021 (-1,8%), bis Dezember 2022 (-1,2%)

 

Sowohl die Szenarien als auch die Einschätzung der Restwert-Entwicklung werden auf Basis der aktuellen Marktbeobachtung in den kommenden Wochen und Monaten regelmässig aktualisiert.

 

Hinweis

Eine Einschätzung für 18 Märkte Europas findet sich im regelmässig aktualisierten Autovista Group Whitepaper.

Rückläufige Diesel-Anteile an den NZL: Wie entwickeln sich die Restwerte?

Im vierten Quartal 2019 sank der Marktanteil der dieselbetriebenen PKW in Europa auf 29,5%. 2016 waren noch 49,2% aller europäischen PKW-Neuzulassungen dieselbetrieben.

Der Schweizer Neuwagen-Markt (inkl. Liechtenstein) zeigt ein ähnliches Bild: Auch hierzulande sind die Dieselzulassungen bei PKW in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Waren es von 2014 bis 2016 noch jeweils rund 37-39%, sank 2017 der Diesel-Anteil auf 36%. Das mediale „Dieselbashing“ drückte 2018 die Zulassungen auf 29.8%, 2019 sogar auf 25.3%. 2020 liegen sie bei 23.7%. In absoluten Zahlen ausgedrückt, sanken die jährlichen Dieselzulassungen von 123‘540 Einheiten im Jahr 2016 auf 78‘564 Einheiten im Jahr 2019.

 

 

Zugenommen hingegen haben vor allem die benzinbetriebenen PKW, die 2016 noch 177‘860 Zulassungen darstellten. 2019 waren es bereits 191‘369 Einheiten. Die reinen Elektrofahrzeuge haben von 3‘273 Einheiten im Jahr 2016 auf 12‘214 im Jahr 2019 noch stärker zugenommen.

Die europäischen Zulassungszahlen von Januar bis Mai 2020 sind infolge der Corona-Pandemie um 41,5% geschrumpft. Auch in der Schweiz gab es einen starken Rückgang: von Januar bis Mai 2020 sanken die PKW Neuzulassungen um rund 39% auf 78‘543 Fahrzeuge. Das sind 50‘428 Neuzulassungen weniger als im Vergleichszeitraum 2019. Lediglich Hybride und Wasserstofffahrzeuge (jedoch auf tiefem Niveau) konnten im Jahr 2020 stückzahlenmässig bisher einen Zuwachs vermelden.

Zurück zum Diesel: Vor einigen Jahren lag der Diesel-Anteil der Neuzulassungen bei den SUVs weit über 50%, teilweise sogar über 55%. Aktuell liegt die Quote nur noch bei knapp 26%.

 

 

Auch bei der beliebten Mittelklasse lag der Dieselanteil in den Jahren 2013 bis 2017 zwischen 59% und 65%. 2019 erreichte er aber nur noch ca. 43%. Für das laufende Jahr zeigt sich hingegen wieder eine deutliche Zunahme des Anteils auf knapp 52%. Das vermutlich wegen den vielen Firmen- und Flottenfahrzeugen und der verschärften CO2-Strafsteuerregelung mit Vorteilen für den Diesel.

 

 

Bei den PKW-Halterwechseln dominieren insgesamt nach wie vor die Benziner mit ca. 66% Marktanteil. Bis 2019 hat der Diesel immer zulegen können, was sich jedoch 2020 erstmals geändert hat. Aktuell ist der Diesel rückläufig und hat noch knapp 31% Marktanteil bei den Halterwechseln.

 

Wie entwickeln sich die Restwerte aufgrund dieser Veränderungen?

Seit der Diesel-Affäre im September 2015 befinden sich die Angebotspreise bzw. Restwerte von Diesel-Fahrzeugen auf Talfahrt. Seit Mitte 2019 haben sie sich auf tieferem Niveau mehr oder weniger stabilisiert.

Im Eurotax Fuel Index sieht man die Entwicklung der Diesel-Restwerte (Angebotspreise) der Altersgruppe 0-5 Jahre im Vergleich zu den Benzinern, referenziert auf den 01.01.2017:

 

 

In der zweiten Grafik ist die Entwicklung der Diesel-Angebotspreise der Altersgruppe über 5 Jahre im Vergleich zu den Benzinern, ebenfalls auf den 01.01.2017 referenziert, dargestellt:

 

 

Insbesondere bei jüngeren Dieseln ist die Talsohle vorerst mal erreicht.

Geht man bei der Betrachtung der Dieselrestwerte noch weiter ins Detail und vergleicht man die Entwicklung der Eurotax Restwerte von 36 Monate alten PKW insgesamt und am Beispiel von zwei typischen Segmenten, so zeigt sich folgende Entwicklung:

Generell sieht man eine leichte Zunahme der Eurotax-Dieselrestwerte für 36 Monate alte Fahrzeuge ab Mitte 2019.

 

 

Diese Entwicklung zeigt sich in ähnlicher Form auch für die beiden Segmente SUV und Mittelklasse, wobei in ersterem die Diesel beim Restwert vor 2017 zeitweise über demjenigen der Benziner lagen.

 

 

Ausblick:

Im Vergleich zum Stand vor der Corona-Pandemie hat sich der Occasionsmarkt trotz Lockdowns bisher erstaunlich gut gehalten und in gewissen Altersklassen gar leicht positiv entwickelt.

Ein Ausblick für die kommenden Monate zu erstellen ist sehr schwierig und die Indikatoren sowie Meinungen gehen hier derzeit teils deutlich auseinander. Wir gehen aber davon aus, dass die Occasionspreise in der Schweiz insgesamt, aber auch für den Diesel, eher wieder unter Druck geraten dürften.

 

RW-Szenarien für Occasionen auf dem Weg aus der Corona-Krise: erstes Update

Vor rund einem Monat haben wir eine Einschätzung veröffentlicht, wie sich die Corona-Pandemie auf den Automarkt bzw. die Occasionen auswirken könnte. Der folgende Artikel bietet ein Update auf Basis der aktuellen Entwicklungen

Auf dem Gebrauchtwagen-Markt zeigt sich seit Mitte Mai eine leichte Erholung der Preise: Im Vergleich zum Preis-Niveau von Anfang Februar liegt der Preisindex nur noch um 0,2% tiefer. Nach Ende der Lockdown-Massnahmen gab es also einen Nachholbedarf bei der Nachfrage, der noch ohne grosse zusätzliche Preisnachlässe bedient werden konnte.

«Insbesondere sehr junge Gebrauchte bis 6 Monate konnten in den letzten Wochen beim Preis im Schnitt auf das Niveau vor der Corona-Krise zulegen. Allerdings machen diese Fahrzeuge nur einen vergleichsweise kleinen Teil des gesamten Gebrauchtwagen-Geschäfts aus. Demgegenüber liegen Fahrzeuge zwischen 6 und 18 Monaten mit minus 1,7% aktuell deutlich unter dem Niveau von Anfang Februar», so Robert Madas, Valuation Insights Manager von Eurotax Schweiz.

Abb. 1: Der Preis-Index zeigt die durchschnittliche Preis-Bewegung ausgehend von Anfang Februar. Der Wert ist bereinigt um die Fahrzeug-Alterung und um unterschiedliche Zusammensetzung des Angebots, d.h. der Preisindex zeigt die tatsächlichen Preis- Veränderungen gleicher Fahrzeuge aufgrund der direkten Veränderung der Nachfrage (stabiler Warenkorb).

Abb. 2: Der Preis-Index nach Fz.-Alter zeigt die durchschnittliche Preis-Bewegung der einzelnen Fz.-Altersgruppen ausgehend von Anfang Februar. Der Wert ist bereinigt um die Fahrzeug-Alterung und um unterschiedliche Zusammensetzung des Angebots, d.h. der Preisindex zeigt die tatsächlichen Preis- Veränderungen gleicher Fahrzeuge aufgrund der direkten Veränderung der Nachfrage (stabiler Warenkorb).

Update der Szenarien für den Weg aus der Krise

Um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Automobilindustrie einzuschätzen, hat Eurotax fünf mögliche Szenarien zur wirtschaftlichen Erholung im Hinblick auf deren Wahrscheinlichkeit untersucht und aktualisiert:

Tabelle 1: Die Szenarien basieren auf folgenden fünf Parametern: Dauer der Pandemie; Wirtschaftliche Aussichten für 2020-2022; Probleme bei der Neuwagenproduktion; Entwicklung der privaten Nachfrage; Wirksamkeit der fiskal- und geldpolitischen Massnahmen.

«Auf Basis der aktuellen Marktsituation ist aus unserer Sicht nach wie vor die Wahrscheinlichkeit für eine ‘langsame, U-förmige Erholung’, mit 60% am höchsten», so Robert Madas. «Die Gefahr einer tiefen Rezession und noch langsameren Erholung ist im Vergleich zur vorigen Einschätzung etwas kleiner geworden und wird von uns nur noch mit einer Wahrscheinlichkeit von 20% beziffert – ebenso wie eine mittelmässig schnelle V-förmige Erholung.»

In Bezug auf die Restwert-Entwicklung wird die weitere Entwicklung der Nachfrage entscheidend sein. «Trotz der aktuellen Erholung des Preisniveaus erwarten wir in diesem Jahr bis Dezember noch einen Wertverlust in einem Ausmass von rund minus 3% gegenüber Anfang März», so Robert Madas weiter, «mittelfristig ist dann von einer langsamen Erholung der Restwerte auszugehen.» Die folgende Grafik zeigt den erwarteten Verlauf der Restwert-Entwicklung.

Abb. 3: Erwartete Entwicklung der Gebrauchtwagen-Restwerte im Vergleich zu Anfang März 2020 (indexiert): bis Dezember 2020 (-3,2%), bis Dezember 2021 (-2,3%), bis Dezember 2022 (-2,1%)

Sowohl die Szenarien als auch die Einschätzung der Restwert-Entwicklung werden auf Basis der aktuellen Marktbeobachtung in den kommenden Wochen und Monaten regelmässig aktualisiert.

Hinweis

Eine Einschätzung für 18 Märkte Europas findet sich im regelmässig aktualisierten Autovista Group Whitepaper.

RW-Szenarien für Occasionen auf dem Weg aus der Corona-Krise

Seit Mitte März hat die Corona-Pandemie das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in den meisten Ländern fest im Griff. Die Situation ist mit kaum einer vergangenen Krise vergleichbar: Der direkte Autohandel im Schauraum war per Verordnung zum Erliegen gekommen und konnte nur auf den Online-Kanal ausweichen. Nun hat der Handel zwar wieder geöffnet, wie sich die Verkaufssituation und Kundenfrequenz durch „Social Distancing“ Massnahmen ändern werden, ist jedoch noch nicht absehbar.

Die Krise betrifft natürlich nicht nur die Automobilbranche – die Massnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus führen in verschiedenen Wirtschaftsbereichen bereits zu Nachfrage-Einbrüchen, allen voran im Tourismussektor. Wie nachhaltig der Nachfrage-Einbruch durch die Pandemie auf dem Automarkt sein wird, lässt sich derzeit nur erahnen. Das wird überwiegend von der Stabilität der Kaufkraft und dem Konsumentenvertrauen in den kommenden Monaten abhängen. Sollte die Arbeitslosigkeit längerfristig auf hohem Niveau bleiben und immer mehr Unternehmen in wirtschaftliche Schieflage geraten, wird bei den meisten Konsumenten und Unternehmen die Investition in ein neues Auto wohl nicht an oberster Stelle stehen.

Die bisherigen Einflüsse auf den Restwert

Obwohl der Automarkt mit Ausnahme des Online-Handels weitgehend im Lockdown war, zeigen sich bereits erste Nachfrage-bedingte Preis-Anpassungen nach unten. Im Vergleich zum Preis-Niveau von Anfang Februar hat der Preisindex um 1,3% nachgelassen, was auf die geänderte Nachfrage-Situation zurückzuführen ist.

«In den kommenden Wochen nach Öffnung des Handles ist nach unserer Einschätzung allerdings von einem stärkeren Minus auszugehen, da voraussichtlich zusätzliche Preis-Anpassungen aufgrund der zu erwartenden schwächeren Nachfrage durchgeführt werden» so Robert Madas, Valuation Insights Manager von Eurotax Schweiz. So zeigen etwa die Restwerte in Schweden, wo es keinen Lockdown gab, und in Finnland, wo die Händler in den letzten Wochen geöffnet waren, einen stärkeren Rückgang als in Märkten, die härtere Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie ergriffen hatten.

 

 

Auf der Angebotsseite hat sich in den vergangenen Wochen – nicht überraschend – die Anzahl der aktiven Händlerangebote deutlich erhöht. Ende April lag die Anzahl aktiver Angebote von Occasionen bis 96 Monate um 4,9% über dem Niveau von Mitte März. Die durchschnittliche Angebotsdauer von bis zu 96 Monate alten Occasionen ist im Zeitraum von 9.3. bis 28.4. von 100 auf 110 Tage gestiegen.

 

 

Solange das Angebot die Nachfrage trifft, kann der Restwert gehalten werden. In der aktuellen Situation könnten einige Händler aus Liquiditäts-Gründen allerdings gezwungen sein, ihre derzeit auf dem Platz stehenden Occasionen mit entsprechend höheren Rabatten schnell zu verkaufen. Das würde die Restwerte bereits kurzfristig in Mitleidenschaft ziehen.

Die Szenarien für den Weg aus der Krise

Um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Automobilindustrie einzuschätzen, hat Eurotax fünf mögliche Szenarien zur wirtschaftlichen Erholung im Hinblick auf deren Wahrscheinlichkeit untersucht:

 

 

Die beiden Best-Case Szenarien gehen von einem nur kurzen, aber heftigen Einbruch und einer mehr oder weniger schnellen Erholung des Marktes aus – also von einem V-förmigen Verlauf der Krise. Das mittlere Szenario geht von einer langsamen Erholung auf das Vor-Krisen-Niveau aus. Die Kurve ist in diesem Fall U-förmig, wobei die Länge der Talsohle stark vom weiteren Verlauf der Infektionszahlen und damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden abhängen wird.

Die beiden Worst-Case Szenarien gehen von einer langen Rezession aus, mit langfristigen negativen Effekten auf die allgemeine Wirtschaftslage und Nachfragesituation.

«Auf Basis der aktuellen Marktsituation ist aus unserer Sicht die Wahrscheinlichkeit für eine ‘langsame, U-förmige Erholung’, mit 50% am höchsten» so Robert Madas. «Die Gefahr einer tiefen Rezession und noch langsameren Erholung ist allerdings nicht gebannt und wird von uns mit einer Wahrscheinlichkeit von 30% beziffert».

In Bezug auf die Restwert-Entwicklung wird das Zusammenspiel von zusätzlichen Rabatten und der Nachfrage entscheidend sein. «Wir erwarten in diesem Jahr bis Dezember den deutlichsten Wertverlust in einem Ausmass von rund minus 4% gegenüber Anfang März“ so Robert Madas weiter, „mittelfristig ist dann von einer langsamen Erholung der Restwerte auszugehen.» Die folgende Grafik zeigt den erwarteten Verlauf der Restwert-Entwicklung.

 

 

Allerdings ist es zum aktuellen Zeitpunkt noch zu früh für eine abschliessende Prognose, welche mittelfristigen Auswirkungen Covid-19 auf die Wirtschaft und in weiterer Folge auf den Occasionshandel haben wird. Derzeit sind bereits erste positive Anzeichen im Hinblick auf die Portal-Aktivitäten der Händler zu verzeichnen. Allerdings sind auch die hohen wirtschaftlichen Kosten, die durch die zur Eindämmung der Pandemie notwendigen Massnahmen entstehen, deutlich zu spüren. Die kommenden Wochen werden also für die weitere Analyse der Marktsituation als auch für die Anpassung der Szenarien entscheidend sein, um die künftigen Entwicklungen auf dem Occasionsmarkt abzuschätzen.

Hinweis: Eine Einschätzung für 13 Märkte Europas findet sich im regelmässig aktualisierten internationalen Autovista Group Whitepaper

 

 

Die Elektro-Mobilität im Zeichen der Corona-Krise

Die Vorzeichen für ein kräftiges Wachstum bei Elektro-Autos und Plug-In Hybriden standen für 2020 eigentlich gut: Modell-Offensiven der Hersteller, Weiterentwicklung der Ladeinfrastruktur, Vorgaben der Politik, sowie steigendes Interesse seitens der Nachfrager sollten die Anteile von alternativ betriebenen Fahrzeugen – nach deutlichen Zuwächsen 2019 –  auch in diesem Jahr erneut merkbar steigen lassen.

Die Trends bei den PW-Neuzulassungen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein im ersten Quartal haben diese Prognose bisher bestätigt: Das satte Minus von 23,1% ging ausschliesslich zulasten von Benzin und Diesel, wobei insbesondere Benziner mit einem Minus von 14‘275 Stück um 32,2% auf einen Marktanteil von 54,3% gefallen sind (Q1 2019:  61,6%). Der Diesel-Anteil ist auf nunmehr 24,5% Marktanteil gesunken.

Alternative Antriebe konnten hingegen gegenüber Q1 2019 um fast 60% auf 11‘731 Stück zulegen und erreichten damit in den ersten drei Monaten einen Anteil von 21,1%:

  • Nach wie vor den grössten Anteil innerhalb der alternativen Antriebe halten Voll-Hybride (ohne Steckdose) mit 6‘052 Neuzulassungen bzw. 10,9% Marktanteil in den ersten drei Monaten 2020, das entspricht einem Plus von 75% gegenüber dem Q1 2019.
  • Besonders dynamisch war die Entwicklung bei Plug-In Hybriden mit einem Wachstum um 193,1% auf 2‘283 Stück bzw. 4,1% Anteil.
  • Reine Elektro-Fahrzeuge konnten im Q1 dagegen nur um 3,2% auf 3‘121 Stück bzw. immerhin 5,6% Marktanteil zulegen. Das schwächere Wachstum liegt insbesondere am vergleichsweise starken März 2019 als alleine über 1‘100 Tesla Model 3 neu auf die Strasse kamen.

„Das Zwischenergebnis der Monate bis zur Corona-Krise zeigt einen weiteren klaren Trend zur Elektrifizierung der Antriebe. Mittlerweile hat jedes fünfte neu zugelassene Auto einen Elektro-Motor mit an Bord“, so Robert Madas, Valuation Insights Manager von Eurotax Schweiz.

Zukunftsszenarien für die Elektro-Mobilität durch die Corona-Krise

Seit Mitte März ist nun vieles anders: Der direkte Autohandel im Showroom ist seit der Einschränkungen des Bundesrates zum Erliegen gekommen und muss auf den Online-Kanal ausweichen. Fast alle Hersteller in der EU haben mittlerweile die Produktion vorübergehend eingestellt. Allfällige Schliessungen von Zulieferbetrieben der Hersteller von Elektro-Modellen können zudem die schon jetzt langen Lieferfristen noch ansteigen lassen.

Das Wachstum bei Neuzulassungen von Elektro-Autos ist jedoch auch stark von der Verfügbarkeit attraktiver Modelle abhängig, wie sich 2019 gezeigt hat (siehe Grafik unten): Der Zuwachs bei rein batteriebetriebenen Fahrzeugen gegenüber 2018 kommt vor allem aus den Zulassungen der neu lancierten und für den Käufer attraktiven Modelle wie Tesla Model 3, Renault ZOE, Hyundai Kona oder Audi e-tron.
 

 
Sollten also angekündigte Modelle wie der VW ID.3, der als „Volksstromer“ für die breitere Masse interessant sein will, in diesem Jahr verzögert vom Band laufen, ist in einem möglichen Szenario auch von sinkenden Stückzahlen bei alternativen Antrieben, insbesondere bei rein batteriebetriebenen Fahrzeugen, auszugehen. Ein durch die Corona-Krise bedingter Einbruch der Autonachfrage zeichnet sich ohnehin schon ab: Im März sind die PW-Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahr um fast 40% zurückgegangen auf 17‘556 Fahrzeuge.

Wie nachhaltig der Nachfrage-Einbruch durch die Corona-Krise sein wird und welche Segmente und Antriebe er wie stark trifft, lässt sich derzeit nur erahnen. Ein weiteres Szenario ist, dass die Krise jene Käufer deutlich schwächer treffen wird, die sich die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten von Elektro-Fahrzeugen und Plug-In Hybriden leisten können. Das könnte in einem grundsätzlich schrumpfenden Neuwagen-Markt wiederum für weiter steigende Marktanteile von alternativen Antrieben sorgen.

 

Marktausblick 2020

Neuzulassungen

Was angesichts herausfordernder Rahmenbedingungen nicht zwingend zu erwarten war, erfüllte sich dank eines fulminanten Schlussspurts im Dezember doch noch: Das Auto-Jahr 2019 schloss in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein mit einem Plus von 3,9% (+11’750 Stück). Mit 311.466 Neuzulassungen ist das vergangene Jahr damit ein durchaus positives gewesen. Nach dem schwachen Jahr 2018, das vor allem durch die WLTP-Einführung und die Diesel-Thematik bestimmt war, haben sich 2019 deutliche Nachholeffekte gezeigt. Zudem war vor allem der Dezember sehr stark (allerdings mit vielen Kurzzulassungen), vermutlich um noch verbrauchsintensive Modelle einzulösen, bevor dann 2020 die verschärften CO2-Strafzahlungen greifen.

2020 rechnen wir mit einem leichten Rückgang auf rund 295.000 bis 305.000 Neuzulassungen. Es ist davon auszugehen, dass die große Anzahl an Tageszulassungen aus dem Dezember 2019 einen direkten Einfluss auf die Neuzulassungen haben wird, da diese Fahrzeuge als junge Gebrauchte auf den Markt kommen werden.

Elektro- und Hybridfahrzeuge werden dieses Jahr seitens der Hersteller sicher bevorzugt vermarktet, die tatsächliche Nachfrage ist allerdings schwer einzuschätzen. Wir rechnen zwar mit einem weiteren Anstieg bei alternativen Antrieben, aber bei vielen Käufern dürfte auch 2020 die Zurückhaltung gegenüber alternativen Antrieben noch nicht vorbei sein. Lange Lieferzeiten bei manchen neu vorgestellten Modellen sind dabei zudem nicht hilfreich. Bereits 2019 konnten die Neuzulassungen von Fahrzeugen mit alternativem Antrieb um 88,6% deutlich zulegen, und zwar auf 40’714 PKW (+19’123 Stück); sie waren damit stückzahl-mässig der eigentliche Wachstumstreiber des Personenwagenmarktes.

Halterwechsel

2019 war mit „nur“ 848.200 Halterwechseln bzw. einem Minus von 0,9% ein vergleichsweise schwaches Jahr. Damit setzt sich der seit 2017 verzeichnete Rückgang fort. Die Trends am Neuwagenmarkt werden mit einer gewissen Verzögerung auch im Occasionsgeschäft sichtbar, deshalb erwarten wir für 2020 leicht steigende Werte. Auch in Bezug auf Alternativantriebe ist bei den Halterwechseln von einer überdurchschnittlichen Zunahme auszugehen –  wie schon bei den Neuzulassungen wird sich der steigende Trend (mit Verzögerung) fortsetzen.

Für dieses Jahr gehen wir von rund 850.000 bis 860.000 Halterwechseln aus. Das begründet sich einerseits in den gestiegenen Neuzulassungen 2019 und insbesondere den gestiegenen Tageszulassungen – diese waren mit 30’954 um 31,6% höher als im Vorjahr. Das wird im Bereich der jungen Occasionen einen positiven Effekt haben. Zudem kommen nach den starken Neuwagen-Jahren 2015 bis 2017 auch mehr 3-5 jährige Fahrzeuge auf den Markt, was den Gebrauchtwagenmarkt dynamischer machen sollte.

Auch die Analyse der Angebotstage im Gebrauchtwagenmarkt spricht für eine zunehmende Dynamik: Insbesondere in der Volumens-starken Mittelklasse konnten wir 2019 einen Rückgang bei den durchschnittlichen Angebotstagen von 69 Tagen auf 66 Tage beobachten.

 

Die vermutete Zurückhaltung der Konsumenten beim Neuwagenkauf hat aus unserer Sicht auf den Gebrauchtwagenmarkt eine unsichere Auswirkung: Das kann sich allenfalls positiv auf die Occasionsverkäufe auswirken, in jenen Fällen wo ein Fahrzeugersatz nötig oder gewünscht ist. Das kann aber auch bedeuten, dass einige Konsumenten den Fahrzeugkauf verschieben und ihr Fahrzeug 2020 noch behalten.

 

RW-Analyse: Günstige Marken vs. Premium-Anbieter

Der Eurotax Award für die wertbeständigsten Personenwagenmodelle wird jedes Jahr mit Spannung erwartet. Ein Blick auf die Gewinner 2019 wirft die Frage auf, ob günstigere Marken durch die Kriterien der Awards grundsätzlich bevorzugt werden. Immerhin konnte 2019 Dacia insgesamt 3 Preise einfahren: davon 2 in der Schweiz in den Kategorien „City“ und „SUV“. Daneben hat der Škoda Octavia in der Schweiz zum vierten Mal in Folge den ersten Rang in der Kategorie „Business“ belegt.

Um diese Frage zu beantworten, müssen zunächst die Kriterien für die Auszeichnung unter die Lupe genommen werden. Diese sind grundsätzlich für alle Fahrzeuge gleich: Für die Auswertung berücksichtigt wurden 3-jährige PKW mit serienmäßiger Ausstattung und einer standardisierten Kilometerleistung. Voraussetzung ist ebenso eine hohe Relevanz am Markt in den vergangenen 6 Monaten. Die Angabe der Restwerte erfolgt in Prozent der ursprünglichen Listenpreise. Prämiert wurden schließlich diejenigen Fahrzeugmodelle, die als 3-jährige Gebrauchtwagen gemäß Eurotax-Analyse den geringsten Wertverlust aufweisen.

Die Entscheidung auf die Restwerte in Prozent zu fokussieren und nicht nach dem Wertverlust in Schweizer Franken zu reihen, ist die erste Maßnahme, die dem übermäßigen Vorteil von günstigen Fahrzeugen entgegenwirkt. Dennoch kann nur ein Fahrzeug der Wertmeister sein, das eine möglichst stabile und gute Wertentwicklung aufweist.

Bringt man ausschließlich den Listenpreis eines Fahrzeugs mit dem Restwert-Verlauf in Bezug, liegt auf den ersten Blick der Schluss nahe, dass günstige Fahrzeuge grundsätzlich einen geringeren Restwertverlust haben. Eine Analyse mit Daten aus Österreich (Stand: Nov.2019) scheint dies zu bestätigen, da die Restwerte für die günstigste Preis-Kategorie bis unter €15.000 ohne im Schnitt am höchsten sind. Allerdings zeigt sich auch, dass Fahrzeuge im mittleren Preis-Segment von €30.000 bis €60.000 deutlich schlechter abschneiden als teurere Fahrzeuge ab €60.000, und sogar die Preis-Klasse ab €90.000,- im Schnitt etwas höhere Restwerte erzielt.

Diese Vereinfachung auf eine einzige Variable, nämlich den Listenpreis, ist aber natürlich unzulässig: Der Restwert eines Fahrzeugs wird von einer Vielzahl von Faktoren maßgeblich beeinflusst. Unter anderem spielen Angebotsmengen, die Nachfragesituation und nicht zuletzt der tatsächlich verrechnete Neupreis unter Berücksichtigung der Rabatte eine wichtige Rolle. Insbesondere Rabatte wirken sich direkt auf den Restwert aus, da die gewährte Differenz zum Listenpreis später auf dem Gebrauchtmarkt kaum mehr wettgemacht werden kann. Auch die Strategie der Hersteller hinsichtlich Kurzzeitzulassungen sowie Volumina bei Vermietungen haben einen direkten Einfluss auf die zu erwartende Angebotsmenge auf dem Gebrauchtwagen-Markt und damit auf den Preis sowie Restwert.

Ein wichtiges Kriterium für den Wertmeister ist auch die Politik des Remarketings von Flottenfahrzeugen und Leasingrückläufern. Je besser es gelingt die vorhandenen Mengen von 3 Jahre alten Fahrzeugen der Nachfrage am Markt anzupassen, desto günstiger die Ausgangssituation. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten, die sich immer entweder um die Attraktivität des Fahrzeugs selbst (Image, Ausstattung, Begehrlichkeit) oder um Steuerung im Remarketing (zu großes Angebot drückt den Preis) drehen. Solange das Angebot die Nachfrage trifft, kann der Restwert hoch gehalten werden. Kommt es in der Angebotsentwicklung – auch wenn nur über Phasen – zu einem Überangebot an Fahrzeugen, leidet der Restwert und das kann unter Umständen auch nachhaltig sein. Nichts desto trotz, natürlich war bei Modellen wo das Angebot an Gebrauchten groß ist, auch der Absatz von Neufahrzeugen mit großer Wahrscheinlichkeit besser.

Die Top2 der österreichischen Wertmeister in der Kategorie „City“ (Dacia Sandero und Mini) wurden im Beobachtungszeitraum vor den Awards nicht nur in deutlich geringerer Stückzahl inseriert als z.B. die Volumens-Modelle Polo und Clio, die es nicht in die Top10 der Awards schafften. Das Angebots-Volumen war vor allem konstanter und zeigte deutlich weniger Schwankungen, wie die Beispiel-Grafik unten zeigt. Dabei sind der Dacia Sandero und der Mini, sowohl vom Image als auch vom Preis her, gänzlich anders positioniert. Es erzielen also eher jene Modelle hohe Restwerte, die (unabhängig vom Listenpreis) erfolgreich für eine ganz bestimmte Zielgruppe positioniert und dadurch am Markt weniger austauschbar sind. Das beginnt natürlich bereits am Neuwagenmarkt und findet seine Fortsetzung am Gebrauchtwagen-Markt.

Ein genauer Blick auf die Top 3 Plätze der letzten beiden Jahre in Österreich zeigt ebenfalls, dass keineswegs immer jene Modelle mit dem niedrigsten Listenpreis den höchsten Restwert erzielen (siehe auch Tabelle): In der Kategorie „Business“ musste sich Škoda Octavia (mit einem durchschnittlichen Listenpreis 2016 von unter €30.000,-) dem Mercedes-Benz CLA mit deutlich höherem Listenpreis (rund €40.000,-) geschlagen geben. In der Kategorie „SUV“ gewann der Audi Q2 (Listenpreis rund €32.000,-) deutlich vor Seat Ateca (Listenpreis rund €29.000,-) und Dacia Duster (Listenpreis rund €16.000,-).

In der Schweiz hat in der neuen Kategorie „Plug’n’Drive“ (eine eigene Wertung für Plug-In-Hybride und Elektro-Fahrzeuge) der Mercedes GLC Plug-in-Hybrid (Listenpreis rund CHF63.000,-) knapp vor dem Model S (Listenpreis rund CHF95.000,-) gewonnen. Und das, obwohl in dieser Kategorie mit dem Nissan Leaf und Reault ZOE Fahrzeuge mit einem Listenpreis von rund CHF30.000,- vertreten waren.

Der Restwert hängt also keineswegs überwiegend vom Listenpreis, sondern von vielen verschiedenen Faktoren ab, wobei viele davon durch eine entsprechende Modell- und Preispolitik sowie gutes Remarketing und nicht zuletzt durch ein gutes Händlernetz positiv beeinflusst werden können.

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Kategorie Rang 1 (Sieger) RW Rang 2 RW Rang 3 RW
City Dacia Sandero 65,7% Honda Jazz 59,9% Suzuki Swift 55,7%
Business Skoda Octavia 54,2% Subaru Levrg 54,0% VW Passat 48,7%
SUV Dacia Duster 66,7% Seat Ateca 65,2% Porsche Macan 62,3%
Plug ’n› Drive Mercedes-Benz GLC Plug-in-Hybrid 60,2% Tesla Model S 59,7% Mercedes-Benz GLE Plug-in-Hybrid 56,3%

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Nach dem Urteil ist vor dem Urteil

Das deutsche Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig hat in letzter Instanz eine, wie es im Vorfeld bereits hieß, „richtungsweisende“ Entscheidung getroffen. Letztendlich wurde entschieden, ob in Deutschland Fahrverbote generell rechtlich zulässig und damit die beiden bereits ergangenen Urteile für Stuttgart und Düsseldorf zur verpflichtenden Aufnahme von Fahrverboten in deren Luftreinhaltepläne bestätigt werden. Weitere ähnliche Verfahren laufen. Die Fahrverbote wurden als Maßnahme bestätigt, Kontrolle durch die Polizei sei möglich und obwohl ein gewisser Wertverlust für Dieselfahrzeuge zu erwarten sei, gehe man nicht von einem Zusammenbruch des Gebrauchtwagenmarktes aus, so in der Begründung.

 

Das heutige Urteil schafft aber entgegen manch insgeheimer Hoffnung sicher nicht wirkliche Klarheit. Es werden Grundlagen geschaffen für mögliche kommende rechtliche Schritte in einzelnen Kommunen oder gar deutschlandweit, nicht mehr aber auch nicht weniger.
Was daraus für Deutschland resultiert, hat auch Auswirkungen auf den Schweizer Markt. Die Entscheidung hinterlässt weiterhin verunsicherte Käufer, die gebraucht wie neu tendenziell eher zu Benzinern greifen, auch wenn Euro6 Diesel beispielsweise von Maßnahmen nicht betroffen sind. Ebenso verunsicherte Fuhrparkbetreiber, die für ihre Neuverträge jetzt ganz genau nachrechnen sollten, ob Diesel bei steigenden Leasingraten gesamtkostentechnisch durch geringere Betriebskosten immer noch kostengünstiger sind als Beniner oder alternativ angetrieben Fahrzeuge.

Weiterhin werden sich Besitzer von älteren Benzinern vermeintlich sicher wähnen, obwohl auch hier mehrere Millionen Fahrzeuge bundesweit unterhalb der Euro3 Norm unterwegs sind, und von einem Fahrverbot getroffen werden könnten. Erste Ankündigungen der Deutschen Umwelthilfe dazu sind ja bereits zu vernehmen gewesen.
Die Preise gebrauchter Diesel werden weiter nachgeben, weil zum einen existierende Volumina von Dieseln als Flotten-/Leasing-/Vermiet-Rückläufern nach ihrer Vertragsdauer vermarktet werden müssen und zum anderen eben auch verunsicherte Diesel-Besitzer versuchen werden, ihre älteren Fahrzeuge loszuwerden. Bei gleichzeitig abnehmender Kaufbereitschaft, wird ein Schuh – oder besser ein Risiko draus.

Alternative Antriebe kommen mangels konzertierter Anstrengungen zwar in der Akzeptanz und mengenmäßig voran, zum Teil für manchen sogar überraschend plötzlich, leiden aber auf den Gesamtmarkt betrachtet noch unter mangelndem Vertrauen, dünner Infrastruktur und geringer finanzieller Attraktivität. Zudem kommt, dass das deutsche Urteil auch für die Schweiz Ausstrahlungseffekte besitzt. Die Meinung über den Diesel wird sich bestimmt dadurch nicht verbessern und die Berichterstattung wird sich auch nicht ins Positive verkehren. Demnach ein nachhaltiger Imageschaden, der sich auf die Nachfrage auswirken wird, auch wenn in der Schweiz Fahrverbote nicht im Zentrum der Dieseldiskussion stehen.

Was weiterhin fehlt sind klare politische Entscheidungen wie z.B. bundesweite Fahrverbote, verpflichtende (Hardware-)nachrüstung, Anpassung der Mineralöl- und KFZ-Steuer, massive Investitionen in Erwerb und Infrastruktur von alternativen Antrieben, oder eben eine klare Absage all dessen. Eine in Deutschland längst überfällige politische Entscheidung, die nun folgen muss.

Was bleibt sind schlecht abschätzbare Risiken in den Büchern von Händlern, Banken und Leasinggesellschaften. Klare politische Entscheidungen würden voraussichtlich zwar die Restwerte punktuell deutlicher nachgeben lassen, böten aber die Möglichkeit, alle Anstrengungen auf ein Ziel auszurichten und für alle Beteiligten mehr Planungssicherheit und für den Markt verlässlichere Prognosen.

 

 

 

Schweizer Personenwagenmarkt schliesst 2017 auf hohem Niveau

Für die Schweizer Automobilwirtschaft verlief das Geschäftsjahr 2017 erfreulich, ob­wohl nicht alle Importeure, Marken und Antriebstechnologien gleichermassen von der erneut grossen Nachfrage profitieren konnten. Insgesamt wurden in der Schweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein 314’028 Neuwagen immatrikuliert (-1,0%). Deutlich im Plus schlossen die Verkäufe von alternativ angetriebenen Fahrzeugen (17’569 PW, +17,0%) sowie von Personenwagen mit Allradantrieb (149’281 PW, +6,3%). Dem vielfach unsach­lichen Diesel-Bashing mussten hingegen die Selbstzünder (113’118 PW, -9,1%) Tribut zollen. Praktisch unverändert zum Vorjahr entwickelte sich das volumenmässig bedeutsame Geschäft mit Gebrauchtwagen: Von Januar bis Dezember 2017 wechselten total 872’892 Occasionen den Besitzer. Dies sind lediglich 976 Fahrzeuge (-0,1%) weniger als ein Jahr zuvor. Aufgrund einer leichten Angebotsverknappung sanken die Standzeiten von gebrauchten Personenwagen im Durchschnitt auf 96 Tage (-3,0%).

 

Die Verkaufszahlen im hiesigen Neu- und Gebrauchtwagenmarkt sind in Anbetracht der Rahmenbedingungen positiv zu werten. Zum einen entwickelte sich das BIP-Wachstum sowie die damit einhergehende Stimulation der Konsumnachfrage deutlich schlechter als voraus­gesagt. Zum anderen sank die EU-Zuwanderung auf das tiefste Niveau seit Einführung der vollen Personenfreizügigkeit im Jahr 2007. Dass trotzdem keine stärkere Korrektur der Ver­kaufszahlen erfolgte, erklären Marktbeobachter mit dem noch nicht restlos ausgeschöpften Potenzial vorgezogener Neuwagenkäufe, mit denen gesunkene Listenpreise und grosszügige Euro-Rabatte zur Ersatzbeschaffung genutzt werden. Eine leichte Erholung der damit einhergehenden Margenerosion versprechen die Prognosen für das Jahr 2018: Die Analysten von BAK Economics rechnen mit einer Beschleunigung der Wachstumsdynamik, einem BIP-Wachstum von 2,4%, einer weiteren Abwertung des Schweizer Frankens zum Euro sowie leicht anziehenden Preisen im Neuwagensegment.

«Für unsere Mitglieder ist eine Korrektur des unbefriedigenden Preis- und Margendruckes wichtig, um die immer höheren Anforderungen an die Garagisten finanzieren zu können», stellt Urs Wernli, Zentralpräsident Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS), fest. «Mehr Verkäufe führen nicht zwangsläufig zu einem höheren Ertrag, sondern nur, wenn damit eine betriebswirtschaftlich vernünftige Rendite erzielt werden kann».

Dieselgate hinterlässt Spuren, während Alternativantriebe boomen

Stünden die Verkaufszahlen der Top-10-Marken repräsentativ für den gesamten Schweizer Neuwagenmarkt, wäre Letzterer 2017 um 0,8 Prozentpunkte gewachsen. Dies ist umso erstaunlicher, als dass der ewige Branchenprimus Volkswagen erneut kräftig Federn lassen musste (35’975 PW, ‑14,6%). Im Vergleich mit dem zweitrangierten Konkurrenten Mercedes-Benz (26’081 PW, +9,4%) schrumpften die einst mehr als doppelt so hohen Verkaufszahlen auf ein Polster von derzeit noch 27,5 Prozent! Auch BMW (24’865 PW, +0,6%), Audi (20’618 PW, +5,3%), Opel (14’042 PW, +6,5%) und Ford (13’884 PW, +6,1%) vermochten ihre Verkäufe im zurückliegenden Jahr entgegen der Marktentwicklung zu steigern. Beson­ders kräftig gelang dies Seat (12’053 PW, +18,9%) und Fiat (10’352 PW, +18,2%). Die trendigen Spanier und Italiener verdrängten damit Peugeot und Toyota aus der Top-10-Rang­liste. Wie Volkswagen verkauften auch Škoda (20’582 PW, -2,3%) und Renault (13’873 PW, ‑3,0%) weniger Fahrzeuge als im Vorjahr. Immerhin konnte sich Škoda aber den Titel für das meistverkaufte Modell sichern: Der Škoda Octavia stand jeden einzelnen Monat zuoberst auf der Verkaufsrangliste, was im Jahresverlauf total 10’017 ausgelieferte Fahrzeuge ergab.

 

Top-10-Marken im Neu- und Gebrauchtwagenmarkt (CH + FL)

Erhebungszeitraum: Januar bis Dezember 2017 (Rangierung 2016 in Klammern)

Rang Neuwagen +/- % Marktanteil Gebrauchtwagen +/- % Marktanteil
1 Volkswagen (1) -14,6% 11,5% Volkswagen (1) -1,5% 13,7%
2 Mercedes (3) 9,4% 8,3% BMW (3) 4,3% 7,4%
3 BMW (2) 0,6% 7,9% Audi (2) -1,2% 7,4%
4 Audi (5) 5,3% 6,6% Mercedes (4) 3.5% 6,6%
5 Skoda (4) -2,3% 6,6% Opel (5) -4,5% 6,0%
6 Opel (7) 6,5% 4,5% Renault (6) -0,8% 5,1%
7 Ford (8) 6,1% 4,4% Peugeot (7) -0,9% 4,6%
8 Renault (6) -3,0% 4,4% Ford (8) -2,8% 4,5%
9 Seat (-) 18,9% 3,8% Toyota (10) 0,8% 3,7%
10 Fiat(-) 18,2% 3,3% Fiat (9) -1,9% 3,6%
  Total Ø 0,8% 61,2% Total Ø -0,5% 62,6%

 

«Der Rückgang bei den Neuzulassungen im Dezember 2017 (-12%) legt den Schluss auf eine zunehmende Marktsättigung nahe. Da die Voraussetzungen im makroökonomischen Umfeld allerdings positiv sind, werden die Einbussen 2018 insgesamt wohl moderat ausfallen. Vor diesem Hintergrund erwarten wir Neuimmatrikulationen auf dem Niveau von 305’000 bis 310’000 PW», erklärt Roland Strilka, Group Director Insights & Analysis DACH bei Eurotax. «Zudem dürfte auch weiterhin eine Verschiebung von Diesel- hin zu Benzinfahrzeugen stattfinden, da die alternativen Antriebe zwar stark nachgefragt werden, volumenmässig aber nur zu einem kleineren Teil den Verlust beim Diesel kompensieren können».

Eine Aufgliederung der Neuzulassungen nach Antriebsarten zeigt einige Auffälligkeiten, die für den hiesigen Automarkt typisch sind. So erzielen beispielsweise reine Elektrofahrzeuge (4773 PW, +44,9%) sowie Fahrzeuge mit Benzin-Hybrid-Motor (11’538 PW, +16,9%) mittler­weile respektable Marktanteile (1,6% respektive 3,8%). Bei E-Fahrzeugen (inkl. Modellen mit Range Extender) sind diese mehr als doppelt so gross und bei Hybriden (mit Benzin- oder Dieselmotor) immerhin noch rund 50 Prozent grösser als beispielsweise in Deutschland. Insgesamt wurden hierzulande 17’569 (+17,0%) alternativ angetriebene Fahrzeuge erstmals immatrikuliert; deren kumulierter Marktanteil beträgt damit neu 5,6% (2016: 4,7%). Auch der Verkauf von Neuwagen mit Dieselantrieb (113’118 PW, ‑9,1%) entwickelte sich hierzulande deutlich positiver als in Ländern mit einem vergleichbar hohen Dieselanteil. Der Marktanteils­verlust fällt mit 3,2 Prozent deshalb auch „nur“ halb so hoch aus (Marktanteil neu: 36,0%), als dies im Mutterland des Dieselgates der Fall war. Zu guter Letzt erklommen die 4×4-Zulassungen – wie allgemein erwartet wurde – ein neues Allzeithoch: Mit 47,5 Prozent Marktanteil steht die Schweiz in Kontinentaleuropa allein auf weiter Flur. Dabei vertrauen nicht nur Fahrer von SUVs und Geländewagen auf den Allradantrieb, sondern auch Neuwagen­käufer in praktisch allen übrigen Fahrzeugsegmenten.

Die Schweiz – Land der Gebrauchtwagen

Seit Jahr und Tag fallen die Occasionsverkäufe in der Schweiz sowie im Fürstentum Liechten­stein rund 2,7- bis 3-fach höher aus, als die Zahl der in demselben Jahr immatrikulierten Neuwagen (2017: Faktor 2,8). Der hiesige Occasionsmarkt profitiert dabei unter anderem von der relativ grossen Zahl von Ersatzbeschaffungen beim Neuwagenkauf, vom hohen durch­schnittlichen Fahrzeugalter sowie von (uneinheitlich) steigenden Kurzzulassungen, mit denen aktive Markt- und Rabattpolitik betrieben wird.

Insgesamt wechselten im zurückliegenden Jahr 872’892 gebrauchte Personenwagen (-0,1%) den Besitzer. Anders als beim Geschäft mit Neuwagen dominiert Volkswagen den Occasions­markt unangefochten (119’668 PW, ‑1,5%). Von gebrauchten Fahrzeugen der Marken BMW (64’990 PW, +4,3%) und Audi (64’634 PW, -1,2%) wurden je nur knapp mehr als die Hälfte der Stückzahlen von Volkswagen verkauft. Die weiteren Ränge der Top-10-Markenrangliste 2017 teilen sich Mercedes-Benz (57’633 PW, +3,5%), Opel (52’205 PW, -4,5%), Renault (44’086 PW, -0,8%), Peugeot (40’450 PW, -0,9%), Ford (39’092 PW, ‑2,8%), Toyota (32’339 PW, +0,8%) und Fiat (31’498 PW, -1,9%) unter sich auf.

«Auch 2018 bleibt die Schweiz ein starker Gebrauchtwagenmarkt», ist Roland Strilka über­zeugt. «Bei den Handänderungen von Dieselfahrzeugen werden wir aber wahrscheinlich einen beginnenden Rückgang sehen – dies eine Folge der bereits seit Ende 2016 rückläufigen Neuzulassungen. Gewinner werden auch hier die Benziner sowie alternativ angetriebene Fahrzeuge sein. Auf Grund der positiven Konjunkturaussichten und dem immer noch hohen Marktniveau von Neuzulassungen schätzen wir den Gebrauchtwagenmarkt für 2018 auf rund 860’000 bis 870’000 PW, was einer stabilen bis leicht rückläufigen Entwicklung entspricht».

Angebotsverknappung führt zu rückläufigen Standzeiten

Trotz stagnierenden Halterwechseln auf hohem Niveau sanken die Standzeiten von Gebrauchtwagen im Vorjahresvergleich per Ende Dezember 2017 auf durchschnittlich 96 Tage (-3%). Dies bedeutet, dass mehr Occasionen einen Käufer fanden, als im gleichen Zeitraum Gebrauchtwagen neu zum Verkauf standen. Diese Angebotsverknappung kann im Wesentlichen auf eine etwas geringere Anzahl von Ersatzbeschaffungen im (leicht) rück­läufigen Neuwagenmarkt, auf die Abschwächung des Frankens – und die dadurch sinkende Attraktivität von Importen ausländischer Occasionen – sowie auf eine überwiegend attraktive Preisgestaltung auf dem inländischen Gebrauchtwagenmarkt zurückgeführt werden.

Von dieser positiven Entwicklung konnten die beiden Fahrzeugsegmente mit den bis dato tiefsten und höchsten Standzeiten allerdings nicht profitieren. Verkäufer von SUVs und Geländewagen (90 Tage, -0,0%) sowie von Fahrzeugen der Luxusklasse (120 Tage, -0,0%) benötigten exakt gleich viel Geduld wie im Vorjahr, um einen Gebrauchtwagenkäufer von ihrem Angebot zu überzeugen. Generell rückläufig waren hingegen die Standzeiten aller übrigen Fahrzeugsegmente: Stärker gefragt als im Vorjahr und in durchschnittlich weniger als 100 Tagen verkauft werden konnten Kleinwagen (90 Tage, -5,3%), Fahrzeuge der unteren Mittelklasse (94 Tage, ‑3,1%), Kompakt- und Minivans (95 Tage, ‑3,1%), Occasionen der Mittelklasse (97 Tage, -2,0%) und der Microklasse (99 Tage, -6,6%). Länger als 100 Tage mussten im zurückliegenden Jahr Fahrzeuge der Oberen Mittelklasse (102 Tage, -1,9%), Coupés (117 Tage, -2,5%) sowie Cabriolets und Roadster (117 Tage, -2,5%) auf einen neuen Besitzer warten.

 

Diesel-Gebrauchtwagen: Aktuelle Marktsituation und Ausblick 2018

Neue Marktdaten und Kennzahlen

Die Zukunft von Diesel-Personenwagen wird seit geraumer Zeit kontrovers diskutiert. Die neusten Eurotax-Untersuchungen zeigen, dass sich Diesel- und Benzinfahrzeuge im Neuwagen- und Occasionsmarkt unterschiedlich entwickeln. Fakt ist: Im Neu­wagenmarkt hat der Diesel in den zurückliegenden Monaten konstant Marktanteile verloren. Bei den Occasionspreisen zeigt der Diesel insgesamt ebenfalls eine schwächere Performance, ohne dass bislang allerdings von einem Wertverfall gesprochen werden kann. Für 2018 erwarten die Marktexperten von Eurotax erneut einen Rückgang bei den Diesel-Neuzulassungen. Auch die Occasionspreise jüngerer Dieselfahrzeuge werden sich voraussichtlich weiter leicht abschwächen.

Die Diskussion um den Dieselantrieb wird in weiten Kreisen kontrovers geführt, wenn auch nicht mehr so emotionsgeladen wie noch vor der Bundestagswahl in Deutschland. Eine Versachlichung ist gleichwohl wünschenswert und notwendig. Die neusten Kennzahlen und Beobachtungen von Eurotax zeigen, dass sich die Restwerte von Diesel- und Benzin­fahrzeugen alters- und/oder markenabhängig unterschiedlich entwickeln. So haben beispiels­weise junge Diesel-Occasionen (Jg. 2014-2016) im Vergleich mit Benzinern am deutlichsten an Wert verloren. Die ebenfalls recht volumenstarken Diesel-Jahrgänge 2010-2013 büssten dagegen etwas weniger ein, während ältere Dieselmodelle (Jg. 2009 und älter) seit diesem Sommer gar einen Teil der früheren Einbussen wieder wettgemacht haben.

Kein genereller Einbruch von Diesel-Restwerten

Von einem generellen Einbruch der Diesel-Restwerte kann in der Schweiz demnach bislang keine Rede sein. Dies unterstreicht auch eine Umfrage, die Eurotax jüngst bei Händlern und Gebrauchtwagenspezialisten der Importeure durchgeführt hat. Eine deutliche Mehrheit der Befragten gab an, Diesel-Occasionen weiterhin ohne Vorbehalte einzutauschen, obschon der Abverkauf inzwischen als schwieriger beurteilt wird. Die Mehrzahl erwartet allerdings, dass die Wiederverkaufswerte von Dieselfahrzeugen in den kommenden 5 Jahren – im Vergleich zu heute – weiter sinken werden.

Jüngere Diesel-Occasionen stehen preislich unter Druck

Betrachtet man die neusten Kennzahlen und Vorjahresvergleiche von Neuzulassungen, Halterwechseln, Angebotstagen und Angebotspreisen, so haben Dieselfahrzeuge gegenüber Benzinern das Nachsehen. Bei den Neuzulassungen wird dies besonders deutlich, hat der Diesel-Marktanteil doch seit Ende 2016 konstant abgenommen – von 39,3 % auf aktuell 36,8 % (Stand September 2017). Vergleicht man die Entwicklung der Marktanteile von Diesel-Neuwagen nach Segmenten, zeigt sich ein differenzierteres Bild: Es gibt nach wie vor Fahrzeugklassen, bei denen der Dieselanteil gegenüber 2016 leicht gewachsen ist oder sich zumindest (knapp) behaupten konnte. Insgesamt ist der Dieselmarktanteil gegenüber 2016 jedoch klar gesunken.

Noch vielschichtiger ist die Situation bei den Occasionen, insbesondere auf Marken- oder gar Modellebene. Steigende Angebotstage in allen relevanten Segmenten sowie die steigende Zahl unverkaufter Diesel im Vergleich zu Benzinern führen dazu, dass Diesel-Occasionspreise unter Druck geraten, insbesondere bei jüngeren Fahrzeugen. Diese Entwicklung wird sich fortsetzen und eventuell sogar noch verstärken, weil der Anteil an Diesel-Rückläufern der verkaufsstarken Jahrgänge 2015/2016 aus dem Flotten- und Leasing­geschäft in den kommenden Monaten weiter zunehmen wird.

Benziner zeigen stabilere Restwertentwicklung

Über alle Marken hinweg weisen Benziner insgesamt eine stabilere Restwertentwicklung auf als Selbstzünder, wie die indexierten Angebotspreise seit Mitte 2015 zeigen. Der im betreffenden Zeitraum generell rückläufige Restwerte-Trend ist primär eine Auswirkung der Aufhebung des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank vom Januar 2015.

Gemäss Roland Strilka, Group Director Insights & Analysis DACH bei Eurotax, gibt es mehrere Ursachen für die rückläufige Performance von Dieselfahrzeugen: «Ein Grund ist die negative Berichterstattung in den Medien. Sie hat die Kaufentscheidungen potenzieller Neu- und Occasionswagenkunden zugunsten von Dieselfahrzeugen mit Sicherheit belastet. Weiter ist der Volumendruck durch das steigende Angebot von jungen Diesel-Occasionen zu nennen. Schliesslich sind auch die anhaltenden Diskussionen um Diesel-Fahrverbote sowie die Überlegungen einiger Hersteller, sich ganz vom Diesel zu verabschieden, für das Diesel-Image nicht förderlich».

Der Dieselantrieb bleibt noch lange wichtig

Da Dieselmotoren im Vergleich mit Benzinern in der Regel die bessere CO2-Effzienz auf­weisen, sind sie für das Erreichen der CO2-Flottenziele 2020 von grosser Bedeutung. «Das nach wie vor eher bescheidene Modellangebot von Fahrzeugen mit alternativen Antriebs­konzepten sowie insbesondere die fehlende, flächendeckende Infrastruktur für Elektro­fahrzeuge (Ladestationen, Netze etc.) verhindern in nächster Zukunft eine massive Abkehr von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, auch wenn viele Politiker im In- und Ausland das gerne anders sehen. Dies gilt umso mehr, als dass alltagstaugliche Alternativen für die Lang­strecken- und Vielfahrerbedürfnisse von Firmenflotten noch länger auf sich warten lassen. Dieselfahrzeuge werden deshalb nicht so bald und drastisch an Bedeutung und an Wert verlieren, wie dies einige Auguren derzeit zu wissen glauben», fasst Roland Strilka von Eurotax die aktuelle Marktsituation zusammen.

 

Abgasaffäre

Aktuelle Informationen zu den Auswirkungen der Diesel-Abgas-Problematik

Wertrückgang aber kein Wertverfall

Während in den letzten Monaten fast ausschliesslich ein Hersteller mit dem Thema Dieselgate verbunden wurde, haben die jüngsten Entwicklungen den Kreis nun erweitert. Die Entwicklungen bei Mitsubishi in Japan und die Ergebnisse auf die jüngst durchgeführten Abgastests in Deutschland, rücken zusätzlich andere Hersteller und Marken in den Fokus. Während sich die Vorgänge bei Mitsubishi lediglich auf Japan beschränken könnten, sind auf Grund der in Deutschland durchgeführten Untersuchungen wieder mehr als 600.000 Fahrzeuge in Europa betroffen. Inzwischen haben die Umrüstmassnahmen der betroffenen VW Konzernprodukte begonnen, und es kam zu keinen Auffälligkeiten.

Das Bild das sich also auch im Bereich der Restwertsituation ergibt, ist stimmig. Es gab seit September einen geringen Wertrückgang im Vergleich zu anderen Fahrzeugen, gleichzeitig aber alles andere als einen Wertverfall. Die Restwerte sind definitiv konkurrenzfähig und die Verluste gering. Diese Erfahrung bei VW lässt auch darauf schliessen, dass etwaige Servicemassnahmen bei anderen Marken nicht zu einem Wertverfall führen werden. Die mittel- und langfristige Reaktion der Politik auf die jüngsten Entwicklungen ist allerdings noch ausstehend.

Weitere Informationen finden Sie ebenfalls in unserem White Paper «Dieselgate: What it means for the automotive industry».

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Uneinheitliche Marktentwicklung von Diesel-Gebrauchtwagen

Krise, Konsolidierung oder Trend?

Die Zukunft des Dieselantriebs für Personenwagen wird derzeit kontrovers diskutiert. Aktuelle Eurotax-Analysen zeigen, dass sich der Markt für Dieselfahrzeuge und Benziner sowohl bei Neuwagen als auch bei Occasionen unterschiedlich entwickelt. Bei den Neuzulassungen hat der Diesel in den letzten Monaten erstmals Marktanteile verloren und auch bei den Restwerten zeigen die Selbstzünder eine leicht schwächere Performance, ohne dass es bislang Anzeichen für einen grösseren Wertverfall gibt.

Für die Erstellung verlässlicher Prognosen ist der Dieselantrieb ein spannendes aber auch ein herausforderndes Thema, da der Occasionsmarkt von vielfältigen Einflüssen geprägt wird und eigenen Gesetzen folgt. Aktuelle Marktbeobachtungen von Eurotax sowie darauf basierende Kennzahlen dokumentieren denn auch, dass sich die Restwerte von Diesel­fahrzeugen und Benzinern sowohl markenbezogen als auch altersabhängig unterschiedlich entwickeln.

Von Krise kann keine Rede sein

Betrachtet man aktuelle Zahlen sowie Vorjahresvergleiche bezüglich Neuzulassungen, Halterwechseln, Angebotstagen und Angebotspreisen, kann der Eindruck entstehen, dass Dieselfahrzeuge gegenüber Benzinern derzeit das Nachsehen haben. Bei den Neu­zulassungen in der Schweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein kann dies auch klar belegt werden, ist der Diesel-Marktanteil doch erstmals seit längerem gesunken und zwar von 39,3% (2016) auf aktuell 37,8% (vgl. Grafik 1). Leicht steigende Angebotstage sowie rück­läufige Angebotspreise legen zudem den Schluss nahe, dass auch die Occasionspreise von Dieselfahrzeugen unter Druck geraten.

Analysiert man allerdings die Veränderungen der Dieselanteile nach Fahrzeugsegmenten, so gibt es bei den Neuzulassungen solche, die – im Vergleich zum Zeitpunkt vor der Dieselthematik – gewachsen sind oder sich im Vergleich zu den Benzinern gut behaupten (vgl. Grafik 2). Noch vielschichtiger zeigt sich die Marktsituation bezüglich der Restwert­entwicklung sowie im Besonderen auf Marken- und Modellebene.

Anhaltender Druck auf Occasionspreise

Insgesamt zeigen benzinbetriebene Personenwagen eine etwas stabilere Restwert­entwicklung als Dieselfahrzeuge, wie die indexierte Veränderung der Angebotspreise seit Mitte 2015 zeigt (vgl. Grafik 3). Die Restwerte wurden in diesem Zeitraum bei beiden Treibstoffarten überdies stark von der Aufhebung der Mindestkurspolitik durch die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 beeinflusst.

Roland Strilka, Group Director Insights & Analysis DACH bei Eurotax, sieht mehrere Gründe für die aktuell stärkere Performance von Benzinern: «Zum einen ist der Volumendruck durch das steigende Angebot von jungen Diesel-Occasionen – unter anderem aus dem Flotten­markt – zu nennen. Eine nicht unbedeutende Rolle spielt auch die omnipräsente und derzeit überwiegend negative Diesel-Berichterstattung in den Medien. Zu guter Letzt sind auch die anhaltenden Diskussionen um Diesel-Fahrverbote in ausländischen Grossstädten oder aber die Verlautbarungen einzelner Hersteller, sich mittelfristig von Selbstzündern verabschieden zu wollen, dem Diesel-Image nicht zuträglich, was potenzielle Neu- und Occasionswagen­käufer zweifelsohne beeinflusst».

Was die Marktanalysten von Eurotax somit bezüglich der aktuellen Preisentwicklung von Diesel-Occasionen beobachten, ist ein Trend, der sich verstärken aber auch abschwächen kann. Sicher ist hingegen, dass der Anteil an Diesel-Rückläufern aus dem Leasing- und Flottengeschäft in den kommenden zwei Jahren weiter zunehmen wird, da in diesem Zeitraum die Fahrzeuge der zulassungs- beziehungsweise marktanteilsstärksten Jahrgänge 2015 und 2016 wieder auf den Markt kommen. Dies wird den Druck auf die Occasionspreise hochhalten.

Haben Dieselfahrzeuge eine Zukunft?

Für Fahrzeuge mit Dieselmotoren spricht, dass diese in der Regel sowie unabhängig von der Messmethode die bessere CO2-Effzienz aufweisen als Benziner. Sie werden deshalb für das Erreichen von politisch festgelegten CO2-Flottenzielen vermutlich noch länger notwendig sein, obschon diesbezüglich bei Benzinern bereits deutliche Effizienz-Fortschritte erzielt worden sind. Zudem haben die Hersteller das Gros ihrer alternativ angetriebenen Modelle erst für 2020 bis 2025 angekündigt.

«Dieselfahrzeuge werden unsere Branche deshalb noch eine Weile beschäftigen und sie werden ohne ‚äussere‘ Einflüsse vermutlich auch nicht so bald drastisch an Berechtigung und an Wert verlieren», fasst Roland Strilka von Eurotax die aktuelle Marktsituation zusammen.

 

„Oben ohne“ kommt bei Neuwagen aus der Mode

Deutsche Marken dominieren den schrumpfenden Cabrio-Markt

Cabriolets und Roadster gelten gemeinhin als Inbegriff der automobilen Fahrfreude – die Zahlen zeichnen hierzulande freilich ein anderes Bild: Allein zwischen 2010 und 2014 sanken die Verkäufe in der Schweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein um 24% auf zuletzt 6092 Fahrzeuge. Im gleichen Zeitraum entwickelte sich der Neuwagen­markt insgesamt leicht positiv (+2,6%). Augenfällig ist, dass sich heute das ehemals breite Neuwagenangebot an offenen Fahrzeugen auf eine übersichtliche Modellpalette von mehrheitlich deutschen Volumen- und Premiummarken sowie auf einige wenige Modelle in der Luxusklasse beschränkt. Deutlich grösser ist das Angebot und die Nachfrage auf dem Gebrauchtwagenmarkt: Im zurückliegenden Jahr wechselten mit 37 082 Cabriolets und Roadster rund 6 Mal mehr Fahrzeuge ihren Besitzer, als im gleichen Jahr immatrikuliert worden sind. Von 2010 bis 2014 nahmen die Hand­änderungen insgesamt um 5,4% zu (gesamter Occasionshandel: +8,2%).

Der Nachfragerückgang bei Cabriolets und Roadstern folgt hierzulande einem Trend, der sich global sogar noch etwas stärker akzentuiert: Lediglich 0,7% aller weltweit verkauften Personenwagen waren im Jahr 2014 Fahrzeuge ohne oder mit zurückklappbarem Dach. Gründe hierfür gibt es viele: Zum einen motivieren die zunehmende Verstädterung und die damit verbundenen Verkehrsprobleme nicht, „oben ohne“ zu fahren. Zum anderen mangelt es in urbanen Wohngegenden an Parkmöglichkeiten für einen Zweit- oder Drittwagen. Denkbar ist auch, dass die stetig steigende Nachfrage nach praktischen SUVs zumindest teilweise auf Kosten der Marktanteile im gesättigten Cabrio- und Roadster-Segment geht. Zudem locken immer mehr Automodelle mit immer grösseren Panorama-Dächern, die – insbesondere mit Schiebedach – ganzjährig zu begeistern wissen.

Ausgedünntes Modellangebot bei Neuwagen

Mit ein Grund für den schwindenden Marktanteil von Cabriolets und Roadstern ist aber sicherlich auch das schwindende Modellangebot im unteren und mittleren Preissegment. Ehemals bekannte Vertreter wie beispielsweise Alfa Romeo Spider, Peugeot 207 CC, Peugeot 308 CC, VW EOS, BMW 1er Cabrio werden nicht weiterentwickelt, hierzulande nicht mehr angeboten oder allenfalls nur noch als Lagerfahrzeuge verkauft. Die Stückzahlen interessanter Neuheiten wie beispielsweise das Citroën DS3 Cabrio oder der Jaguar F-Type Roadster vermögen diese Rückgänge zahlenmässig nicht zu kompensieren. Gleichwohl gibt es einen Lichtblick! Mit seinem neuen 4er-Cabrio hat BMW offenbar den Nerv der „Frischluftfans“ getroffen: Im ersten Modelljahr übernahm der schnittige Nachfolger des beliebten 3er mit einem Marktanteil von 13,6% (829 Neuzulassungen) unangefochten die Spitze der Cabrio-Verkaufsrangliste. Der langjährige Spitzenreiter aus dem eigenen Hause, das Mini Cooper Cabriolet, wurde dadurch mit deutlichem Abstand auf Rang 2 verdrängt.

Die Top-10 der meistverkauften Cabriolets im Neu- und Gebrauchtwagenmarkt Rangierung 2013 in Klammern
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Rang  Neuwagen 2014 Neuzulassungen Gebrauchtwagen 2014 Handänderungen
1 BMW 4er (-) 829 BMW 3er (1) 2 755
2 Mini Cooper (1) 538 Smart Fortwo (2) 2 304
3 Audi A3/S3 (-) 467 Mercedes SLK (3) 1 939
4 VW Golf (2) 340 VW Golf (5) 1 819
5 VW New Beetle (3) 337 Peugeot 206 (4) 1 715
6 Porsche 911 (4) 327 Mini Cooper (7) 1 469
7 Mercedes SLK (7) 294 Mercedes SL (6) 1 445
8 Smart Fortwo (5) 273 Porsche 911 (8) 1 281
9 Audi A5/S5/RS5 (6) 272 Mazda MX-5 (9) 1 223
10 Opel Cascada (9) 244 Renault Megane (10) 1 030
Total 3 921 Total 16 980
Cabrio-Marktanteil 64,4% Cabrio-Marktanteil 45,8%

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Während sich der Neuwagenmarkt für Cabriolets und Roadster im zurückliegenden Jahr mit 63 Modellvarianten von 32 Marken äussert übersichtlich zeigte, wurden im gleichen Jahr auf dem Gebrauchtwagenmarkt insgesamt 235 unterschiedliche Modelle von 60 Marken ange­boten und verkauft, wie eine Auswertung durch die Marktanalysten von Eurotax zeigt.

Trotz der gestiegenen Nachfrage nach Occasionsfahrzeugen im Segment der Cabriolets und Roadster betrugen deren Standzeiten im zurückliegenden Jahr durchschnittlich 117 Tage. Dies sind 5 Standtage (-4,1%) weniger als 2013, dennoch aber die zweitlängsten aller Fahrzeugsegmente (Luxusklasse: 119 Tage). Regional variiert der Wert zwischen 111 Tagen (-5,9%) in der Nordostschweiz und 121 Tagen (-4,0%) in der Westschweiz.

Nachfrage mit hoher Preissensibilität im Gebrauchtwagenmarkt

Mit ein Grund für die langen Standzeiten ist nicht die fehlende Nachfrage, wie die Zunahme der Handänderungen über die letzten Jahre belegt. Offensichtlich aber werden Cabriolets und Roadster teilweise zu Preisen angeboten, die kaufwillige Nachfrager nicht in jedem Fall und nicht für jedes Modell zu zahlen bereit sind. Nebst klassischen Bewertungsfaktoren wie Alter, Laufleistung, Antrieb und Ausstattung spielt in diesem Fahrzeugsegment nämlich auch eine Rolle, dass Cabriolets oft als Zweit- oder Drittfahrzeug und deshalb nicht „um jeden Peis“ angeschafft werden. Im Gebrauchtwagenmarkt für Cabriolets und Roadster treffen daher subjektive Bewertungen der zum Verkauf stehenden Fahrzeuge aufeinander, die etwas mehr Zeit für eine realistische Annäherung benötigen.

Wie die Auswertung der Verkaufsinserate in Online-Autobörsen zeigt, liegen die initialen Angebotspreise insbesondere bei Cabriolets der Premium- und Luxusklasse (z.B: Jaguar F-Type, Jaguar XK, Ferrari F430, Ferrari F458, Maserati Grancabrio, Audi R8 u. a. m.) teilweise deutlich über den letztlich erzielbaren Verkaufspreisen. Eine realistischere Preis­ansetzung oder aber ein dynamischeres Preismanagement könnten die ebenfalls kosten­relevanten Standzeiten deutlich reduzieren helfen.

Dynamische Preisstrategie optimiert Verkaufspreise und Standzeiten

Die Experten von Eurotax raten daher auch für den An- und Verkauf von Cabrios zu einem aktiveren Preismanagement. Mit dem PriceAnalyser gestaltet sich die Preisfindung für professionelle Händler nämlich denkbar einfach: Dank Echtzeitvergleich des eigenen Fahrzeugbestandes mit dem Gebrauchtwagenangebot im Internet ist jederzeit eine detail­lierte Analyse und regionale Auswertung des täglich wechselnden Angebotes sowie der effektiven Verkäufe zu Marktpreisen möglich. Damit können – ähnlich wie auf klassischen Handelsmärkten – sogenannte Spotpreise berechnet werden. Der Eurotax SpotPrice für ein spezifisches Fahrzeug stellt daher den optimalen, individuellen und regionalen Angebots­preis unter Berücksichtigung der effektiven Nachfrage am Markt dar. Mit einer dynamischen Preisstrategie, dass heisst mit kurzfristigen Preisanpassungen nach unten oder oben, lassen sich somit An- und Verkaufspreise optimieren und Standzeiten reduzieren. Verlangt man als Verkäufer weniger, verliert man Geld, verlangt man mehr, wartet man länger auf einen potenziellen Käufer.

 

Über Eurotax

Eurotax Schweiz ist Teil der Autovista Group, Europas führendem Anbieter von Informationen, Daten, Publikationen und Dienstleistungen rund um Fahrzeuge aller Art. Eurotax schafft mit aktuellen, unabhängigen Daten Markttransparenz für die gesamte Automobilbranche.